Tapezieranleitung: Vliestapeten in 6 Schritten richtig anbringen

Hier mal eine Anleitung von Frau von Bergen:

Was sind Vliestapeten?

Vliestapeten liegen auch bei passionierten Heimwerkern voll im Trend, denn sie haben im Vergleich zu herkömmlichen Tapeten viele unschlagbare Vorteile.

Vliestapeten müssen beispielsweise nicht eingekleistert werden, von daher ist die Verarbeitung vollkommen problemlos ohne Tapeziertisch möglich, denn lediglich die Wand wird mit einem speziellen Vliestapetenkleister eingestrichen. Da das Einkleistern der Tapetenbahnen wegfällt, dehnen sich Vliestapeten nicht aus und können deshalb anschließend auch nicht zusammenschrumpfen.

Vliestapeten werden also trocken und bahnenweise auf eine Wand aufgebracht, die vorher mit einem speziellen Wandkleber für Vliestapeten eingestrichen wird. Da die Klebewirkung dieses Kleisters geringer ist als der Zugbelastungskoeffizient der Vliestapete, lässt sich das Gewebe bei Bedarf bahnenweise und trocken abziehen.

Weitere Vorzüge der Vliestapete sind:

  • ihre enorme Strapazierfähigkeit
  • die schwere Entflammbarkeit
  • die Eigenschaft, selbst Risse im Wandputz zu überdecken
  • lässt sich bei Bedarf sehr leicht wieder abziehen

Wie werden Vliestapeten richtig tapeziert?

Die folgende Tapezieranleitung beschreibt in 6 Schritten anschaulich, welche Vorbereitungen getroffen werden müssen, welche Vorarbeiten erforderlich sind und wie das Tapezieren im Detail erfolgt.

  1. Schritt: Was und wie viel darf es denn sein? – Die Checkliste für Baumarkt und Fachgeschäft

Vliestapeten sind aufgrund des strapazierfähigen Zellstoffträgermaterials teurer als einfache Raufaserqualität. Es lohnt sich deshalb, zunächst den genauen Tapetenbedarf zu ermitteln. Dieser ergibt sich aus den zu tapezierenden Wandflächen (Breite x Höhe), abzüglich der Flächen für Fenster und Türen. Bei jeder handwerklichen Arbeit, so auch hier beim Tapezieren von Vliestapeten, hängt der Erfolg ebenso maßgeblich davon ab, ob Qualität oder Billigware gekauft wird und ob alle notwendigen Hilfsmittel für das fachgerechte Ausführen der Tapezierschritte parat liegen. Deshalb folgt hier eine Liste mit den notwendigen Tapeziermaterialien:

  • Vliestapetenrollen
  • Spezialwandkleber für Vliestapeten
  • Kleistereimer
  • Holzstab oder elektrisches Rührgerät (eventuell leihweise)
  • Malerbürste oder Lammfellrolle für das Aufbringen des Wandklebers
  • Bürste mit weichen Borsten um die Bahnen der Vliestapete zu glätten
  • Nahtroller
  • grobe Schere oder spezielles Tapetenmesser
  • Lot für das lotrechte Aufbringen der ersten Tapetenbahn und Bleistift (die Lotlinie ist mit einem Bleistift auf dem Wandputz anzuzeichnen)
  • Kreppband zum Abdecken von Türen, Fenstern und Steckdosen
  • Abdeckfolie für Boden, Möbel und Lampen
  • Material zum Entfernen der alten Tapete (Spülmittel, Schwamm und Spachtel)
  • Material für die Glättung der Wand und zum Verfüllen von Wandrissen (Spachtel und Spachtelmasse)
  1. Schritt: Vorarbeiten erleichtern das spätere Tapezieren

Bei abgeschalteten Sicherungen werden nun zunächst die Abdeckungen von Wandlichtschaltern und Steckdosen entfernt. Die dadurch entstehenden Wandlöcher werden später zunächst mit übertapeziert. Alte Tapetenschichten sollten mit Wasser und Spülmittel aufgeweicht und dann abgezogen werden, gegebenenfalls unterstützend mit einem breiten Spachtel. Um Teppiche oder Böden dabei nicht zu befeuchten oder zu verschmutzen, ist eine Abdeckfolie auszulegen, die mit Kreppband im Bereich der Fußleisten zu fixieren ist.

Nach dem Entfernen der alten Tapeten ist besonderer Wert darauf zu legen, Unebenheiten sowie Löcher und Risse im Wandputz mithilfe von Spachtelmasse und Spachtel zu verfüllen, damit die dünnschichtigen Vliestapeten später glatt und gleichmäßig aufgebracht werden können.

  1. Schritt: Richtiges Zuschneiden der Vliestapete

Das Zuschneiden ist gar nicht so schwer, eine grobe Schere kann helfen. (© Kelvinjay – Istockphoto.com)

Beim Zuschneiden der trockenen Bahnen mit einem Tapetenmesser oder einer groben Schere muss man zwei Dinge besonders beachten.

Erstens schneidet man die Bahnen auf Überlänge, also so, dass die Bahn etwa 10 cm länger, als die zu tapezierende Wandlänge ist (Überstand wird später passend gekürzt).

Zweitens schneidet man sie so, dass bei Mustertapeten die Muster bei nebeneinanderliegenden Bahnen zueinanderpassen. Bewährt hat sich dabei eine Vorgehensweise, bei der man die vorangegangene Bahn neben die nächste Bahn legt und auf diese Weise den Zuschnitt kontrolliert. Weiterführende Informationen speziell zum Zuschneiden von Tapeten bieten im Übrigen auch die Tapezieranleitungen auf dieser Webseite zum Thema.

  1. Schritt: Nicht kleckern, sondern kleistern!

Wenn man keinen Flüssigkleister verwenden möchte, sondern den Kleister aus Pulver und Wasser zusammenrühren will, sollte man peinlich genau darauf achten, dass keine Kleisterklumpen in der angerührten Masse verbleiben, denn diese würden später die Vliestapete ausbeulen.

Verklumpungen verhindert man am besten so, dass man das Pulver kontinuierlich in warmes Wasser streut und das Pulver dabei gleichzeitig mit einem Holzstab oder mit einem elektrischen Rührgerät umrührt.

Auch bei dieser Arbeit sollte darauf geachtet werden, dass der Kleber nicht auf einen eventuell vorhandenen Teppichboden etc. kleckert, um dort bloß keine irreversiblen Flecken zu verursachen.

Tipp: Wenn man den angerührten Kleister am nächsten Tag weiterverwenden möchte, kann man den Kleister haltbar machen, indem man die Kleisteroberfläche mit einer dünnen Wasserschicht überdeckt und den Eimer mit einem Deckel oder einer reißfesten, elastischen Folie abschließt.

  1. Schritt: Perfektes Tapezieren von Vlies – selbst für Gelegenheitsheimwerker

 

Tapeten werden immer von innen nach außen glatt gestrichen, um Luft entweichen zu lassen und um Blasen zu vermeiden. Dies kann mit einer Tapetenbürste oder mit einem weichen Tuch geschehen. (© Yunava1 – Fotolia.com)

Der angerührte Kleister wird nun für eine Breite von gut 2 oder 3 Bahnen auf die Wand aufgetragen und die Tapetenbahnen werden anschließend aufgelegt. Man beginnt mit der ersten Bahn an einer angezeichneten Lotlinie und streicht dann die Bahn mit einer weichen Bürste zunächst von oben nach unten und dann zu den Seiten glatt. Danach wird die nächste Trockenbahn passgenau und gegebenenfalls auch mustergenau an die erste Bahn angelegt, wobei anschließend die Stoßkante mit einem Nahtroller angedrückt wird.

Auf diese Weise lösen sich die Bahnkanten nicht wieder ab. Innenecken von Zimmerwänden sind nicht immer lotrecht, was dazu führt, dass die dort aufgebrachte Bahn leicht schräg liegt. Durch anschließendes Ausloten und Anzeichnen kann die Schräge abgeschnitten und damit wieder eine lotrechte Tapezierkante geschnitten werden.

Steckdosen und Lichtschalter werden zunächst übertapeziert und danach wird der Bereich der Schalter sorgfältig freigeschnitten. Vorher muss unbedingt geprüft werden, dass die entsprechenden Sicherungen abgeschaltet sind, um möglichen Unfällen vorzubeugen. Fensterkanten werden erst überständig tapeziert und danach passgenau zugeschnitten. Holzrahmen müssen hingegen geschützt werden, damit es nicht zu Verfärbungen kommt.

  1. Schritt: Trocknen der Vliestapete – nur zum Zuschauen!

Nach Beendigung der Tapezierarbeiten müssen die Bahnen noch etwa einen Tag lang durchtrocknen, allerdings ohne Zuhilfenahme eines Heizlüfters, denn sonst könnten sich die Bahnen durch zu schnelles Trocknen wieder ablösen.

Wichtig ist es deshalb, ab und zu seine Tapezierarbeiten in Augenschein zu nehmen und sich eventuell ablösende Partien erneut mit dem Nahtroller anzudrücken.

Welche Vliestapeten bieten Baumärkte und Tapetenshops aus dem Internet an?

Baumärkte und Tapetenshops aus dem Internet bieten ein riesiges Angebot hochwertiger und einzigartiger Vliestapeten aus der ganzen Welt an, so zum Beispiel auch aus den USA und Australien. Unterschiedlichste Stile und modernes Tapetendesign ermöglichen die Verwirklichung selbst extravaganter und sehr individueller Wohnideen, sodass mit Sicherheit jeder seine individuelle Wunschtapete finden kann, sowohl im Baumarkt als auch über einen der zahlreichen Tapetenshops im Internet.

Fazit:

Vliestapeten schlagen ein ganz neues Tapezierkapitel auf. Sie sind auch für den Hobbyhandwerker und natürlich auch für die ambitionierte Handwerkerin sicher und sauber aufzutragen. Durch die Wahl zwischen glatten und rau geprägten sowie vielfältig gemusterten Vliestapeten besteht die Möglichkeit, sein Heim ganz nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

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