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Schiff aus Restholz bauen

Meine Frau war auf zu einer Abschiedsfeier eingeladen und wünschte sich als „Geschenkverpackung“ ein Holzschiff für die Gastgeberin.

Du ahnst es sicherlich… das Holzschiff musste erst noch gebaut werden…

Folgende Vorgaben gab es:

Nicht zu klein (!), es muss ein Buch reinpassen (?), als Segel werden vergrößerte Fotos genommen – also mit Mast, es muss von alleine stehen und darf nicht umkippen. Ach ja und die Abschiedsfeier ist morgen…

Da die Baumärkte schon geschlossen hatten, musste ich das Schiff aus Restholz bauen.

Dann mal schnell ans Werk…

Als Ausgangsmaterial nahm ich zwei Abschnitte von den Lärchenbohlen aus dem Balkonprojekt. Die Stücke sind etwa 25 cm lang und 90×90 mm stark.

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Ich wollte vorne ein fließenden Bug und hinten ein abfallendes Heck haben. Die groben Umrisse habe ich mit der Bandsäge zugeschnitten.

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ich war mir wegen der genauen Form noch unschlüssig – später wurde alles gerade

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ich sägte einfach drauf los – nach Gefühl…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Bandschleifer und 40er Schleifpapier wurden die Konturen solange weiter „geformt“, bis es mit gefiel.

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Dabei erinnerte ich mich, wie ich damals in der Schule ein ähnliches Schiff gebaut habe. Seinerzeit waren das meine ersten Schritte in der Holzbearbeitung… Ach ist das lange her…

Die vordere Form war soweit fertig. Das Heck schrägte ich wieder erst mit der Bandsäge an und rundete die Kanten mit dem Bandschleifer ab.

Die Grundform des Schiffes ist eigentlich fertig, aber es ist leider zu kurz. Außerdem sollte es eine Art Laderaum haben und muss somit ausgehöhlt werden. Darauf hatte ich aber zum Einen keine Lust und zum Anderen keine Zeit.

Ich nahm den anderen Klotz und sägte mit der Tischkreissäge zwei Brettchen mit etwa 15 mm Stärke , sowie ein Brett mit etwa 20 mm Stärke zurecht. Das dickere Brett sollte als Boden dienen, die beiden dünneren Brettchen als Seitenteile.

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Da ich die Seiten nur stumpf an den „Boden“ leimen wollte, musste dieser 30 mm schmaler sein als das Bug und das Heck.

Nun trennte ich das Bug und das Heck mit der Kappsäge und begradigte die Sägeflächen mit meinem Tellerschleifer.

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Der Bug

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Das Heck

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit PU-Leim verleimte ich das Mittelteil. Ich benutzte in diesem Fall für alle Leimverbindungen meinen schnell trocknenden PU-Leim. Nach etwa 10 Minuten ist dieser fest und ich konnte dann gleich weiter machen.

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Nachdem der Leim getrocknet ist, leimte ich das Bug, das Heck und an das Mittelteil zusammen.

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Jetzt sieht es schon wie ein richtiges Schiff aus.

Am Tellerschleifer passte ich alle Übergänge an und begradigte die Seiten.

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Was jetzt noch fehlte war das Steuerhaus und der Mast mit Baum.

Für das Steuerhaus sägte ich mit noch zwei Brettchen in etwa 10 mm Stärke zurecht und sägte Seitenwände und das Dach zu. In die Seiteneile bohrte ich mit einem 15 mm Forstnerbohrer zwei Bullaugen.

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Die Seitenteile und das Dach wurden verleimt und nachdem alles fest war, passte ich vorne ein Frontteil ein.

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Mit der Bandsäge sägte ich ein Fenster aus.

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Die Front des Steuerhauses kriegt ein Fenster

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Das Frontteil wurde in das Steuerhaus eingeleimt und später habe ich die Unterseite mit dem Tellerschleifer begradigt.

Den Mast habe ich aus dem Reststück einer Dachlatte -. also Fichte- gefertigt. Dazu habe ich das etwa 50 cm lange Stück an der Tischkreissäge auf etwa 14×14 mm gesägt, die Enden mit dem Blockhobel angespitzt, und die Leiste in die Bohrmaschine eingespannt.

Mit dem Dübelschneider wurde dann aus der Leiste – Simsalabim – ein Rundstab, der mit Schleifpapier schön glatt wurde.

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Den 25 cm langen Baum habe ich auf die gleiche Weise hergestellt.

Den Mast wollte ich vorne einsetzen. Dazu habe ich mit einem 10 mm Holzbohrer ein Loch gebohrt und dann mit einem 13 mm Metallbohrer das Loch aufbohren. Das war keine gute Idee… das Loch riss oben total aus, weil sich der 13 mm Bohrer fest fraß. Im Nachhinein logisch…

Passend zum Schiffsthema zitierte ich diverse nautische Schimpfwörter, die mir aus meiner Marinezeit in Erinnerung geblieben sind…

Das half auch nicht viel und da ich nun mal keine Zeit hatte, sägte ich ein kleines Plättchen zurecht, bohrte ein 10 mm Loch hinein und feilte es vorsichtig auf das richtige Maß auf.

Der Mast passte genau in das Loch und das Plättchen wurde mit dem Mast eingeleimt. Bitte sieh es mir nach, dass ich diesen Vorgang nicht fotografisch dokumentiert habe…

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Da wo der Baum auf den Mast trifft, habe ich eine Kerbe eingefeilt.

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Durch den Mast und in die Stirnseite des Baumes bohrte ich ein 1,5 mm Loch. Durch dieses Loch trieb ich einen kleinen Nagel und leimte Mast und Baum zusammen. Der Nagel verstärkte die Verbindung.

Im Anschluss verleimte ich das Steuerhaus.

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Per Hand schliff ich die Kanten und Rundungen nach und entfernte die letzten Leimüberschüsse.

Das Schiff ist nun fertig zum Stapellauf… Ahoi!

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Zum Schluss haben wir das Schiff ordnungsgemäß mit einem Segel aus Butterbrotpapier ausgestattet. Dazu haben wir erstmal drei Lagen mit einem Klebestift zusammengeklebt und mit Tesafilm am Mast befestigt. Dabei haben wir das Papier um den Mast und den Baum umgeschlagen und verklebt. Auf die Klebeseite kam dann noch eine Lage Papier, damit es von beiden Seiten schön aussieht.

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Jetzt kann es lossegeln…

Zusammengefasst hat mich das Ganze nichts gekostet, da alle Materialien vorhanden waren. Die reine Zeit in der Werft betrug etwa 4 Stunden zuzüglich die Zeit des Segelmachers von gefühlten 10 Stunden – es waren aber wohl nur 30 Minuten…

Was würde ich anders machen?

Beim nächsten Schiff würde ich das Heck nicht nur gerade nach unten laufen lassen, sondern die Seiten zusätzlich abrunden.

Dann würde ich den Schiffsdiesel unter dem Steuerhaus einsetzen und die Ruderanlage daneben einbauen. Die Radaranlage lässt sich bequem auf dem Steuerhaus platzieren und die sanitären Anlagen kommen in den vorderen Bereich….

Fortsetzung folgt…:-)

Hab eine schöne Zeit und herzliche Grüße von der Werft!

Der Kellerwerker

 

 

2 Gedanken zu „Schiff aus Restholz bauen

  1. Pingback: Blogrundschau Holz Technik 5/2015 - Heimwerker-Blog

  2. Multimaster

    Sehr schön! Mir gefällt die Spontaneität, mit der du zu Werke gegangen bist. Ich wäre, glaub ich, viel zu verkopft und hätte ewig gegrübelt, anstatt einfach zu tun.

    Antworten

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