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Arbeitsböcke selber bauen

Für Lackierarbeiten brauchte ich zwei Arbeitsböcke. Also schnell zum nächsten Baumarkt und für 5,99 € pro Stück, zwei Böcke mitnehmen. Als ich mir die Qualität der Böcke anschaute, zog sich mein kleines Heimwerkerherz zusammen. Die armen kleinen Böcke konnte man eigentlich nur noch für die Feuerschale verwenden, so schlecht war die Qualität – sofern man hier von Qualität sprechen darf. Das Holz war nicht nur krumm und schief, es war voller ausgeschlagener Astlöcher, schiefer Klappschenkel und schief eingedrehter Schrauben.

Also ab in die Eisenwarenabteilung und vier Scharniere und vier Klappschenkel gekauft – für 12,00 €…
In meiner Kellerwerkstatt angekommen, überlegte ich mir, wie mein Traumarbeitsbock denn wohl aussehen würde. Eigentlich genau wie im Baumarkt, allerdings mit gutem Holz, höher, stabiler und vor allem gerade. Also doch genau das Gegenteil von den armen kleinen Böcken aus dem Baumarkt.

Soweit meine bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Planung

Da in meinem Ausweis steht, dass ich 195 cm hoch bin – ob das noch so stimmt, weiß ich nicht – sollten die Böcke mindestens einen Meter Arbeitshöhe garantieren. Außerdem wollte ich meinen Restholzbestand weiter ausdünnen und kein neues Holz für die Böcke kaufen. Immerhin war ich ja heute schon im Baumarkt…

Als erstes suchte ich mir Latten raus, die für den Bau in Frage kamen. Dabei wollte ich das ganze Projekt schnell über die Bühne bringen, also kein Aushobeln und kein Schleifen. Alles was ich auf ein Maß von 60 x 30 mm sägen konnte kam somit in Frage.

Diese Leisten liegen bestimmt schon seit 5 Jahren bei mir herum…

Dabei soll man sich nicht wundern, welche Längen bei diesem doch recht kleinen Projekt zusammenkommen, etwa 13 lfm. habe ich benötigt…! So wurde es mit dem Material aus Restholz zum Schluss auch echt eng. Die kurzen Zwischenzargen sägte ich schließlich aus einem alten Balken, in dem sich doch tatsächlich eine Schraube versteckt hat… Meine Laune besserte sich dadurch nicht wesentlich. Meine Güte dieser Stress….!

Da liegen die beiden Böcke in ihrer Urform…

Letztendlich habe ich alles zusammengekriegt. Nun ging es an die Verbindungen und du ahnst es vielleicht schon: das habe ich mit dem Duodübler gemacht. War ja auch nicht viel und ich wollte nicht alles mit Schrauben machen. Ein weitere Unterschied zu den Baumarktböcken.
Also legte ich die Teile so aneinander, wie ich es mir vorgestellt habe – also laut meiner 3D-ähnlichen Zeichnung am Whiteboard – und markierte die Mitten für den Duodübler.

Mit Nummerierung kommt es zu keiner Verwechslung, nicht dass mir das schon mal passiert wäre….
Ich liebe ihn… meinen Duodübler…

Das Dübeln ging schnell von der Hand und so setzte ich die ersten Dübel mit etwas Leim ein.

Nach dem ersten trockenen Zusammensetzen war ich sehr zufrieden mit mir, der Welt und vor allem mit dem Duodübler. Somit stand dem Verleimen nichts mehr im Wege.

Eigentlich waren diese Zwingen auch nicht wirklich erforderlich, aber es gab mir kurzfristig ein besseres Gefühl…

Die Außenkanten der Auflageleisten habe ich mit einem Halbrundfräser abgerundet. Dadurch ergeben sich bei empfindlichen Werkstücken später keine Druckstellen.

Es folgte das Montieren der Scharniere und der Klappschenkel. Bei diesem Wort handelt es sich im Übrigen um eine eigene Kreation, weil mir der eigentliche Begriff bis jetzt immer noch nicht eingefallen ist…
Ich habe dabei nicht auf den genauen Winkel geachtet, sondern erst die Scharniere montiert, die Beine soweit auseinandergeklappt, bis ich ein gutes Gefühl hatte und dann die Klappschenkel angebaut. Ich komme mit den Böcken somit auf eine Arbeitshöhe von 99 cm. Da behaupte nochmal einer, wir Heimwerker sind gefühllos…

UND FERTIG! Ich habe tatsächlich etwa 2 Stunden gebraucht, um diese beiden traumhaften Designer-Arbeitsböcke herzustellen. Dabei war das Suchen der in Frage kommenden Latten der größte Zeitfaktor. Sehen doch toll aus, oder?

Ein Traum von einem Arbeitsbock…

Nun konnte ich endlich das machen, was ich bereits seit vier Stunden machen wollte… Lackieren… und zwar in einer äußerst angenehmen Arbeitshöhe, bei der mir nicht nach 5 Minuten der Rücken schmerzt.

Du hast nun also keine Ausrede mehr, dir nicht auch so tolle Böcke zu bauen. Also los, ab zum Baumarkt, um dir Scharniere und Klappdingsbumsteile zu kaufen und ab in die Werkstatt! 🙂

Herzliche Grüße
Frank
– der Kellerwerker