Die Holzleim-Affäre

Heute geht es nicht um ein konkretes Projekt, sondern um etwas, was ich mir von der Seele schreiben muss…

Ich würde mich nicht als geizigen Menschen bezeichnen. Im Gegenteil, ich gebe und teile gerne. Ich baue gerne für Andere und helfe anderen Menschen bei irgendwelchen Problemen.

Als Heimwerker hat man sowieso eher den Anspruch an sich, aus alten kaputten Dingen wieder heile und funktionsfähige Dinge zu machen oder mit einfachen Mitteln und Materialien schöne Sachen herzustellen.

Soweit der philosophische Ansatz.

Ich mag es aber überhaupt nicht, wenn ich das Gefühl habe ich werde über den Tisch gezogen!

Einiger meiner verehrten Bloggerkollegen, wie beispielsweise Manuel von dannwollenwirmal.de hat es bereits des öfteren schön beschrieben: Im Baumarkt kriegt man überwiegend schlechte Ware zu überteuerten Preisen, mit einem Mindestmaß an fachlicher Beratungsqualität.

Ich habe das nie so extrem empfunden bis ich vorletzte Woche stinknormalen Holzleim kaufen wollte. Sonst bezog ich den Leim aus dem Internet z.B. bei dichtstoffhandel.de (NEIN, kein gesponserter Post!!!), weil ich da auch PU-Kleber kaufen konnte. Nun ging mir aber der Leim aus und ich brauchte kurzfristig neuen.

Ich hatte die Preise so ungefähr im Kopf und dachte mir, dass es hier keine großen Unterschiede geben kann. Bis ich die Preisschilder sah… 11,95 € für eine 750 ml Flache mit D2 Holzeim! Hä?!?

Der durch meine jahrelange Heimwerkertätigkeit geschärfte “Verarschungsinstinkt” schlug Alarm und ließ augenblicklich mein Kaufverlangen verstummen.

Ich fuhr nach Hause und schaute im Internet nach, was ich da zahlen sollte. 14,95 € für 5 Liter Holzleim D3, also wasserfest. Klick… bestellt. Zwei Tage später war der Leim da und meine Laune war wieder auf Normallevel.

Kurze Zeit später wollte einer unserer Mieter in seinem WG-Zimmer neuen Laminat verlegen und fragte mich, ob wir uns daran beteiligen würden. Klar, was macht man nicht alles für glückliche Mieter. Ab in den Baumarkt und Preise vergleichen. Zack traf mich wieder der Schlag: für einen einigermaßen vernünftigen Laminat, der auch diese Bezeichnung verdient zahlt man locker 18,00 € / m² plus Fußleisten für 12,00 € / lfm…  Hä?!?

Ab nach Hause und rein ins www. Bei hori.eu bin ich schließlich fündig geworden. Ausschlaggebend war der Hinweis auf die Garantie von bis zu 20 Jahren. Als Vermieter muss man ja langfristig denken… 🙂

Es gab zwar keine Preisinfos auf der Seite aber eine Telefonnummer, bei der echte Menschen rangingen, die auch tatsächlich wussten, wovon sie reden!

Nach einem kurzen aber fachlich fundierten Gespräch erhielt ich ein Angebot per E-Mail und war von den Socken… 6,99 €/m² für hochwertiges Laminat (von Parador!) und 4,28 €/lfm für passende Fußleisten (auch Parador!). Sollte die Farbe nicht passen, schicke ich es zurück, aber mein Gesprächspartner versicherte mir, das das nicht der Fall sein wird. Ich hätte auch die Möglichkeit ein Muster nach Hause geschickt zu kriegen…

Was ist los mit dem Handel? Warum entstehen solche Unterschiede? Klar kostet der Verkaufsraum, Personal, etc. alles Geld, aber ist das wirklich der Grund? Ich habe eher den Eindruck, dass der Heimwerker so eingeschätzt wird, dass er, wenn er sowieso schon da ist lieber 2 € mehr ausgibt, als woanders hinzufahren. Oder er vergleicht gar nicht bzw. kann nicht vergleichen.

Ich habe meinen Schwiegervater (Dachdecker seit 35 Jahren) immer milde belächelt, wenn er mir erzählte, dass die Sachen im Baumarkt überwiegend Schrott und dazu noch viel zu teuer seien. Er machte das immer an dem Beispiel “Nägel” fest. Er sagte, die Nägel aus dem Baumarkt taugen nichts. Sie biegen schneller um und brechen sogar ab. Bei Profinägeln passiert das nicht, obwohl sie im Verhältnis günstiger seien.

Sein Kumpel der Klempner haute in die gleiche Kerbe und behauptete, dass Badewannen oder Heizkörper im Baumarkt mit viel geringeren Wandungsstärken zu höheren Preisen verkauft werden, als im Fachhandel.

Das bringt mich dann wiederum auf die Verpackungseinheiten, und dem tatsächlichen Gegenwert. Die Vergleichbarkeit wird häufig durch die Menge, das Gewicht des Volumens oder  der Qualität verwässert.

Vor kurzem habe ich gesehen, dass der Baumarkt, zu dem ich immer fuhr jetzt auch Makita Akkuschrauber anbietet. 14V im Koffer mit Akku und Ladegerät für 149€. Klingt ganz gut. Bei näherem Hinsehen bemerkte ich, dass der “Hochleistungsakku” 1,4 Ah aufwies… Kein einigermaßen informierte Heimwerker, der sich bereits mit Markengeräten beschäftigt, kauft heute noch einen Akkuschrauber mit einem Akku unter 2 Ah Kapazität, eher mehr. Wieder beschleicht mich ein Gefühl, dass ich hier über den Tisch gezogen werde.

Das ist nicht schön, liebe Baumärkte! Ich werde jetzt auf jeden Fall regelmäßig über meine Einkaufserlebnisse im Baumark, im Fachhandel und im Internet hier berichten.

Weniger um die genannten Firmen zu unterstützen, als vielmehr dir als Leser die Chance zum vergleichen zu geben.

Gleichzeitig würde ich mich sehr freuen, wenn du deine Gehimtipps hier postest. Dabei veröffentliche ich hier nur die Tipps von privaten Heimwerkern, keine von Firmen, die meinen diesen Blog als kostenlose Werbeplattform nutzen zu können. Wenn genügend Infos zusammenkommen, werden sie in einer eigenen Kategorie veröffentlicht. Wichtig dabei ist die Erreichbarkeit für alle Leser.

Der freundliche Fachmarkt in Castrop Rauxel nützt mir als Lübecker leider nicht ganz so viel und andersherum.

Also her mit deinem Lieferantenverzeichniss…! Ich gehe jetzt irgendetwas verleimen… habe ja genug davon… 🙂

Herzliche Grüße

Frank

9 Gedanken zu „Die Holzleim-Affäre

  1. Lena

    Hallo Frank,

    Da kann ich dir nur Recht geben. Erst gestern hat mich meine Mutter angerufen und erzählt, wie enttäusch sie von den Baumärkten und Fliesen-Flachländern in der Umgebung war.

    Meine Eltern wollen ihr Bad komplett neu renovieren. Da hat sich meine Mutter auf Pinterest inserieren lassen, wie ihr neues Bad aussehen soll. Sie hatte schone Ideen mit Türkisfarbenen Mosaik-Fliesen ausgesucht. Teilweise sind auf Pinterest auch Bilder mit Preisen versehen, so dass meine Mutter dachte, sie hätte ein Gefühl dafür, was die Fließen im Handel kosten. Als sie im Baumarkt war, war sie schockiert, dass die Fließen drei Mal so viel kosten und die Fließen, die sie sucht, gar nicht da sind. Meine Eltern haben alles im Umkreis abgeklappert und nichts gefunden. Meine Mutter hatte an gefangen sich mit dem Gedanken abzufinden ganz einfache Fliesen zu kaufen.

    Meine Mutter ist was Pinterest-, Facebook- oder Instagramnutzung angeht ganz fit, aber nicht in Sachen Internetrecherche und Online-Shopping. Ich musste gar nicht lange suchen und habe einen Online-Shop gefunden mit einer riesigen Mosaikfliesenauswahl und wirklich angemessenen Preisen (also drei mal günstiger als im Baumarkt). Ich habe drei Muster von verschiedenen türkisfarbene Mosaik-Kombis bestellt. Ich bin mega-gespannt, ob die auch wirklich so wertig sind, wie die auf den Bilder ausschauen. 🙂

    Ich finde die Idee super, Erfahrungen mit Online-Shops zu teilen. Ich habe aus Unwissenheit sehr viel Geld in Baumarkt für minderwertige Qualität gelassen.

    Grüße
    Lena

    Antworten
    1. Frank Rath Beitragsautor

      Hallo Lena,

      stimmt,ich will mir gar nicht ausrechnen, was ich schon an Euro in Baumärkten ausgegeben und wie viel ich “zuviel” bezahlt habe…

      Welcher Online-Shop war das denn?

      Herzliche Grüße
      Frank

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  2. Wolfram

    Ja, das Phänomen das Baumärkte eher als “Heimwerkerapotheken” zu bezeichnen sind habe ich auch schon vielfach beobachten können. Mein Extrembeispiel sind Schrauben – die kosten bis zum 20fachen das Stück verglichen mit dem Profihandel.

    Antworten
    1. Frank Rath Beitragsautor

      Hallo Wolfram,

      das mit den Schrauben habe ich auch schon gesehen. Leider brauche ich immer sofort irgendwelche Schrauben und muss dann doch in den nächsten Baumarkt fahren… Beim nächsten mal mache ich eine Sammelbestellung. Aber das habe ich mir schon so oft vorgenommen…

      Herzliche Grüße
      Frank

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  3. Daniel

    Hallo Frank,

    gute Wahl, der Leim. Den benutze ich auf der Arbeit auch schon etwas länger.
    Ähnliche Erfahrungen habe ich kürzlich mit meinem Epoxiharz gemacht, welches ich im Baumarkt gefühlt nur gegen ‘ne Schubkarre Goldbarren hätte tauschen können. Im Netz habe ich einen deutlich besseren Preis bekommen. (bei PHD24.de)
    Was die Profischrauben, etc. angeht, sind diese im Fachhandel zwar schon günstiger zu bekommen, allerdings oft auch nur bei größeren Stückzahlen (oder größeren Gebinden, -siehe Dein Leim).
    Wir haben neulich für die Schreinerei, in der ich arbeite, Schlossschrauben bestellt, allerdings nur 100 Stück. Da unser Fachhändler den Preis aber nur für 1000er Kartons bezahlbar macht, und uns einzeln die Schrauben abgepackt hat, kosteten die 100 im Endeffekt halb so viel wie sonst die 1000 und weit mehr, als ein fertiges hunderter Paket im Baumarkt.
    Außerdem ist im Baumarkt immer alles sofort zu haben, und das bis ganz spät Abends noch.
    Und nicht alles dort ist Schrott, aber, wie du schon erwähnst, sollte man die Augen offen halten (und NIEMALS auf die Mitarbeiter dort hören)
    Ich bin daher etwas zwiegespalten und verteufele Baumärkte nicht komplett, sondern würde sagen, es kommt immer drauf an, was ich machen möchte und was mir dabei wichtig ist…und wie groß das Zeitfenster meiner Geduld bis zum Beginn meines Projekte ist 😉
    Danach suche ich dann den Shop aus, der meinen Vorstellungen am nächsten kommt.
    Viele Grüße
    Daniel

    P.S. denk daran deinen Leim gut vor Frost zu schützen, sonst hast du nicht lange Freude daran 😉

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    1. Frank Rath Beitragsautor

      Hallo Daniel,
      ich wusste gar nicht, dass Baumärkte Goldbarren annehmen… 🙂
      Ich gebe dir recht: Baumärkte komplett zu verteufeln wäre unfair. Ich habe mich aber schon sehr oft geärgert über die unverschämte Preispolitik und die manchmal beschämende Qualität.
      Natürlich fahre ich auch oft in den Baumarkt und hole Material für meine Projekte. Mittlerweile schaue ich aber sehr genau hin und wäge auch oft ab, ob ich nicht lieber ein größeres Gebinde im Fach- oder Internethandel kaufe.
      Aber natürlich ist auch im Internet nicht alles Gold was (in deiner Schubkarre) glänzt. Ich muss aber sagen, das ich immer häufiger sehr positive Erfahrungen mache.
      Herzliche Grüße
      Frank

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  4. Christian

    Als Baumarkt-Mitarbeiter muss ich natürlich erstmal ein wenig die Ehre verteidigen. Nicht alles was im DIY-Bereich verkauft wird ist Schrott. Mit Internet-Preisen kann der stationäre Einzelhandel auch nicht konkurrieren, da Personal- und Unterhaltskosten für den Verkaufsraum weit höher sind, als die eines Internet-shops. Recht geben muss ich euch allerdings in dem Punkt, dass Baumärkte für ambitionierte Heim- und Handwerker eher ungeeignet sind, sondern eher für dafür gedacht sind, dass man mal selbst eine Lampe aufhängen kann oder nen alten Geruchverschluss tauscht. Dafür sind die Gebindegrößen, vor allem bei Schrauben und Dübeln, den meisten schon zu groß, da man für eine Lampe selten 10 Dübel benötigt. Jemand, der viel bastelt und baut, ist meist im Fachhandel (sofern dieser an Privat verkauft) besser aufgehoben, da in der Regel auch große Gebinde irgendwann aufgebraucht werden und nicht irgendwann im Müll landen. Vorausgesetzt natürlich auch, in der heimischen Werkstatt ist genügend Platz vorhanden. Ich persönlich nehm bei mir im Markt Sachen mit, die ich nur selten/einmalig oder sofort benötige, brauche ich größere Mengen und habe 2-3 Tage Zeit bestell ich auch im Netz bzw. schau im Fachhandel vorbei.
    Gruß Christian

    Antworten
  5. Daniel

    Hi,

    feines Blog.

    In grauen Urzeiten habe ich einmal eine Ausbildung als Tischler genießen dürfen.
    Nach langer Abstinenz entdecke ich die Holzarbeit gerade als Hobby wieder und richte mir eine Garagenwerkstatt ein.

    Eins hat sich in all den Jahren nicht geändert. Baumärkte sind ramschige Abzockläden, die primär dem Zweck dienen, den Gewinn durch immer mehr Eigenmarken zu optimieren.
    Qualitätsware dient lediglich als ergänzendes Beiwerk um den Anschein von Professionalität zu erwecken.

    Gleichzeitig verschläft der Fachhandel aber meiner Meinung nach diese gewaltige Steilvorlage (bzw. Nische). Warum haben so viele Fachhändler so grottige Online-Angebote? Glauben die wirklich ich klappere 5 lokale Händler ab um einen Artikel zu erhalten? Warum weigern sich so viele Händler nach wie vor an Privatleute zu verkaufen? Meine Asi-Schrauben beziehe ich dann halt über meinen befreundeten Schreiner wenn der Hersteller sie nicht direkt an mich verkaufen mag.

    Vor das größte Problem stellt mich allerdings der Bezug von Holz-Plattenware.
    Im Baumarkt unverschämt teuer und außerdem fehlen mir die Transportmöglichkeiten.
    Ich bekäme maximal 1,20×2.00 in meine Limo.
    Wie löst Ihr dieses Problem? Leider habe ich zu diesem Thema noch in keinem Blog was gefunden.

    Viele Grüße
    Daniel

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