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Wie hart ist eine Teetasse?

Du wunderst Dich sicherlich über den Titel.

Klar, was hat denn auch eine Tasse mit Heimwerken zu tun? Und wen interessiert es, wie hart so eine Tasse tatsächlich ist? Fällt sie auf den Boden, geht sie meistens kaputt.

In meinem Fall gingen fünf Bohrer kaputt…

Ich fange mal von vorne an: Meine Nachbarin hat im Internet ein Arrangement gesehen, bei dem eine Tasse mit einer Untertasse verbunden und als Futterhaus für Vögel genutzt wurde.

An die Seite der Tasse und in die Mitte der Untertasse wurde jeweils ein Loch gebohrt, mit einer Schraube verbunden und mit dem Henkel nach oben an einen Baum gehängt. Klingt ganz witzig und ist wohl recht einfach herzustellen… dachte ich und leider sagte ich es auch…

Ich erhielt von meiner Nachbarin also Tasse und Untertasse und spannte die Tasse in meine Werkbank ein. Ich dachte mir, dass ich mit einem 4 mm Steinbohrer vorbohre und dann ggf. das Loch weiter aufbohre. IMG_2921 In meiner Lehrzeit habe ich gelernt, dass man Löcher in Fliesen am besten ohne Schlag anbohrt.

Dafür nutzte ich meinen Akkuschrauber. Da die Tasse eine Rundung vorweist und der Bohrer beim Bohren abrutschen kann, habe ich zusätzlich ein Stück Klebeband über die Bohrstelle geklebt. Man ist ja kein Anfänger mehr…

Bohrer einspannen und los gehts!

Das Bohren ging recht einfach, leider hat der Bohrer nicht einmal einen Kratzer in der Tasse hinterlassen, geschweige denn ein Loch.

Ah, dachte ich… Die Beschichtung ist so hart, da musst Du wohl mit einem dünnen Metallbohrer vorbohren und dann mit dem Steinbohrer weiterbohren. Um zusätzlich mit einer höheren Geschwindigkeit bohren zu können, nahm ich jetzt meine Schlagbohrmaschine.

Ich mach es kurz: Der 2 mm Metallbohrer wurde in Lichtgeschwindigkeit stumpf wie die Bastelschere meiner Tochter, der zweite Ersatzbohrer auch.

Erst jetzt fiel mir auf, dass auch erste der Steinbohrer komplett rund war.

GIBT´S DOCH GAR NICHT!

Nachdem ich zwei weitere Steinbohrer verhunzt hatte, konnte ich wenigstens eine etwa 0,5 mm tiefe Vertiefung vorweisen…HA! Wer ist jetzt der König?!

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Das Ergebnis intensiven Bohrens…

Aber die Bohrer haben geglüht und sind nur noch Altmetall… Dabei war es egal, ob mit oder ohne Schlag! Es ging einfach nicht!!! Das Material ist offensichtlich so hart, dass meine Bohrkünste dafür nicht ausreichen.

Ich brach das Projekt aus rein wirtschaftlichen Gründen ab. Meine Nachbarin wollte mir nicht glauben, dass ich nicht in der Lage sei, ein Loch in eine herkömmliche Tasse zu bohren. Klingt ja auch wirklich merkwürdig.

Sie nahm übrigens später statt des Porzellans Kinder-Plastikgeschirr. Na das hätte ich auf jeden Fall gebohrt gekriegt!

Hast Du schon mal so etwas erlebt? Ich nicht… Wenn nochmal einer mit ner Porzellantasse ankommt, kriegt er sie an Kopf… mal schauen wie hart der dann ist…

8 Gedanken zu „Wie hart ist eine Teetasse?

  1. Wolfram

    Für Keramik, porzellan und Glas braucht es einen Diamantbohrer und Kühlfüssigkeit, dann klappt das ohne Probleme. Nur: So ein Bohrer kostet ab 50EUR aufwärts – und im Baumarkt gibt es den auch nicht….

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    1. Frank Rath

      Für die 50 Euro baue ich lieber 10 Vogelhäuschen aus Holz… Teetassen haben bei mir Werkstatt-Verbot!
      Ich hätte aber nicht erwartet, dass Porzellan widerstandsfähiger ist als Stahlbeton. So kann man sich täuschen…:-)

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  2. Stefan

    Ich kenne das Problem, da ich vorige Woche 27 Löcher für unser Edelstahlgeländer in die Bodenfliesen bohren musste. Nachdem der dritte Fliesen- und Feinsteinbohrer eines Markenherstellers(!) beim ersten Loch verglühte (lt. Angabe auf der Verpackung keine Kühlung bei max 1000rpm notwendig) kaufte ich dann einen diamantbestückten Hohlkronenbohrer, wie ihn Wolfram vorgeschlagen hat. Dieser hat dann alle 27 Löcher mit niedriger Drehzahl und Kühlung durchgehalten. Allerdings sollte man sich viel Zeit dafür nehmen…

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  3. Pingback: Blogrundschau Holz Technik 7/2015 - Heimwerker-Blog

  4. Mathias

    Im ‚Bauhaus‘ gibt es Glasbohrer. die können das bei langsamer Drehzahl und mit etwas (Spiritus)Kühlung.
    Wirklich ganz vorsichtig damit arbeiten, denn auch die sind hin, wenn sie einmal zu warm geworden sind.
    Auch die Fliesenfräser für den Dremel kann man Prima zum Vorbohren benutzen – und um die Glasierte Schicht zu entfernen bevor man bohrt, aber auch langsamdrehend.

    Deine HSS-Bohrer muss Du nicht zwingend wegwerfen. Du kannst schonend die Spitze weg- und neue Scheidwinkel anschleifen, die Bohrerspitze dann mit dem Brenner Kirschrot glühen und ihn dann in Öl (nicht in Wasser) abschrecken. Schnell eintauchen, damit das Öl nicht zu brennen beginnt.
    Danach legst Du ihn ein par Minuten auf eine vorgeheizte Herdplatte bei mittlerer Stufe um ihn anzulassen. Du siehst Die Farbveränderung bei einem so kleinen Bohrer recht schnell.
    Er könnte sich dabei leicht verziehen, zum Vorbohren reichts aber immer noch.

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    1. Frank Rath

      Hallo Mathias,
      vielen Dank für Deine Hinweise!
      Beim nächsten Mal weiß ich dann bescheid, ich glaube aber nicht, dass es ein nächstes Mal geben wird… 🙂
      Vogel- oder Futterhäuser sind nun mal naturgemäß aus Holz und nicht aus Tassen…

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