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Stahltresen bauen

Wieso baut der Kellerwerker einen Stahltresen?

In dem Friseursalon in dem meine Frau arbeitete, stand ein Tresen, der meinen optischen Anforderungen nicht genügte. Vor allem, nachdem ich eine neue Ladeneinrichtung gebaut habe.

Nach gefühlt zwei Jahren habe ich nun endlich das Video über den Bau des Empfangstresens erstellt. Die Bilder hatte ich bereits auf Facebook geteilt, aber einen richtigen Beitrag dazu gab es bisher nicht. Dem ging voraus, dass kurz nach Fertigstellung des Tresens, mein Laptop mit etwa 300 GB Video- und Bildmaterial gestohlen wurde. Darunter auch viele Arbeitsschritte zu diesem Projekt.

Ich habe nun aus den verbliebenen Resten versucht den Prozess zu beschreiben. Zugegeben, es ist nicht wirklich ideal, aber mit etwas gutem Willen, kann man sich das Video durchaus anschauen…:-)

Kurz noch einige Infos zu dem Tresen:

Er ist etwa 160 cm lang, etwa 55 cm tief und 90 cm hoch. Er wiegt ca. 180 Kg und besteht aus Schwarzstahl-Profilen, die ich überwiegend vom Schrott habe. Die Holzplatten bestehen alle aus Leimholzplatten (Kiefer) aus dem Baumarkt und wurden je nach Anforderung zu größeren Platten verleimt.

Den Tresen habe ich so konstruiert, dass er leicht zu zerlegen ist. Man kriegt das Teil sonst nicht einen Meter bewegt… Außerdem hätte der fertige Tresen nicht ansatzweise durch meine kleiner Werkstatttür gepasst.

 

Die Schubladenauszüge habe ich aus dem Internet gekauft. Sie halten pro Paar 70 Kg aus und lassen sich komplett ausziehen.

Die Schubladen selbst habe ich aus 10 mm Multiplex gebaut. Dabei habe ich Zinkenverbindungen mit der Oberfräse hergestellt. In diesem Artikel habe ich die dafür notwendige Schablone bereits erwähnt. Leider waren die Ausrisse am Multiplex so stark, dass ich mich entschloss, eine Frontplatte anzusetzen. Das hätte ich wahrscheinlich sowieso gemacht, weil die Auszüge sichtbar waren, aber geärgert habe ich mich trotzdem…

 

Dieses Projekt war der Grund für den Bau meiner Korpuszwingen. Ich musste mehrere Leimplatten herstellen und brauchte dafür lange und stabile Korpuszwingen. Sie haben hervorragend ihren Dienst erledigt und ich bin sehr froh, dass ich sie habe.

Auf den beiden oberen Schubladen-Fotos ist zu erkennen, dass die Einlegeplatte über die Schubladen steht. Das fand ich doof. Deshalb habe ich zwei Winkelprofile so angeschweißt, dass die Platte richtig eingelegt werden kann- nun war es auch eine Einlegeplatte und nicht eine Auflegeplatte…  😀

Die Ablageregale für den Drucker und die Kabelage war ursprünglich auch anders geplant. Ich wollte sie als eine Art verschließbaren Unterkasten bauen. Ich entscheid mich beim ansetzen der Holzplatten dagegen. Ich hätte den Drucker auf Gleitschienen setzen müssen und außerdem hätte der Industrie-Look gelitten.

Allerdings habe ich beim Verschweißen der Halteprofile einen Denkfehler gemacht. Ich habe die Winkelprofile nicht nur von Außen, sondern auch von Innen verschweißt.

Als ich dann die Einlegebretter anpassen wollte, störten die Schweißnähte und versuch mal mit konventionellen Methoden, eine Schweißnaht innen zu beseitigen… Meine Lösung bestand darin, die Einlegebretter auszuklinken…

Das sind so die Kleinigkeiten, die man (ich) bei einer Planung nicht berücksichtigt und erst beim Bauen bemerkt.

Zwischendurch ist mir noch mein Automatik-Schweißhelm kaupttgegangen. Du hättest mein Gesicht sehen sollen, als mitten während des Schweißens, der Helm “aufmachte” also der Filter versagte… Ich habe mich ziemlich erschreckt und glücklicherweise ist dabei nichts passiert. Schuld daran war ein schlecht zusammengebauter Helm. Der Draht eines Sensors war beim Montieren eingeklemmt und hat sich dann irgendwann abgelöst.

Das war aber schnell repariert und das Schweißen konnte weitergehen.

Das Stahlgestell habe ich vor dem Lackieren mit Aceton gereinigt und entfettet. Der Klarlack kam auch aus einem Baumarkt und ist speziell für Stahl geeignet. Ich habe auch nichts vergleichbares woanders gefunden. Er ließ sich aber sehr gut verarbeiten und ich habe ihn mittlerweile auch schon für andere Projekte verwendet.

Das Holz habe ich mit dem gleichen Dekorwachs behandelt, wie die restliche Ladeneinrichtung. Es ist der “Dekorwachs transparent in Nuß vom Osmo”. Ich bin sehr angetan von diesem Wachs, obwohl ich bis heute nicht verstehe, warum das Wort “transparent” im Namen auftaucht…

Die Buchstaben habe ich aus 6 mm Multiplexplatten ausgesägt. Mit dem Programm von Matthias Wandel “Big Print” habe ich von einem Foto die Buchstaben in Originalgröße übertragen und ausgedruckt. Nach dem Aussägen habe ich sie mit Kupfermetall-Farbe lackiert. Diese Farbe gab es nur im Bastelladen und war sehr teuer… Aber sie sah auch extrem gut aus.

Der ganze Bau hat etwa 8 Monate gedauert, weil mir immer wieder etwas dazwischen gekommen ist. Ich war am Ende wirklich froh, dieses Monstrum nicht weiter von rechts nach links in der Werkstatt herumschieben zu müssen. Im Großen und Ganzen hat uns der Tresen etwa 350 € – 400 € gekostet, dabei waren die Schubladenauszüge mit knapp 80 € der größte Einzelposten.

Zugegeben, für einen Friseursalon ist das Ganze etwas überdimensioniert – hat eher den Charakter für ein Werft-Büro.. Aber bisher gab es noch keine Klagen über die Optik…

Herzliche Grüße

Frank

-der Kellerwerker